IT-Consultants mit Autismus

Auticon stellt stärkenorientierte Personalpolitik vor


Heike Gramkow stellte
Auticon im Rahmen der
HR Group vor

"Auticon beschäftigt als erstes Unternehmen in Deutschland ausschließlich Menschen im Autismus-Spektrum als IT-Consultants", berichtet Standortleiterin Heike Gramkow im Rahmen der HR Group am 14. September 2017. Das Best Practice-Unternehmen war eingeladen, dem Fachpublikum seinen Weg der Arbeitsmarktinklusion vorzustellen. "Wir schaffen die Rahmenbedingungen, in denen Autisten ihre oftmals herausragenden Fähigkeiten entfalten und einsetzen können." Das Geschäftsmodell mit sozialem Anspruch zahlt sich aus: "Wir sind keine gGmbH und kein eingetragener Verein, wir sind eine GmbH", betont Gramkow.

 

"Autisten suchen nicht den Fehler, sie finden ihn automatisch", erläutert die Standortleiterin die Besonderheit ihrer Mitarbeiter/-innen bei Auticon. Die Begabung, Muster sofort zu erkennen, Störfaktoren darin umgehend wahrzunehmen und sich über einen langen Zeitraum extrem zu fokussieren, prädestiniert Menschen mit Autismus für die Arbeit in der IT-Branche. "Kunden sind immer wieder von der Geschwindigkeit begeistert, mit der unsere IT-Berater arbeiten. Außerdem beeindrucken sie durch hervorragende Strukturierung und Dokumentation ihrer Projekte."

 

 
"Autismus ist ein anderes Betriebssystem im Kopf",
sagte die Standortleiterin Heike Gramkow
Das kommt bei den Unternehmen gut an, in denen die IT-Consultants zwischen drei Monaten und zwei Jahren im Einsatz sind. Entscheidend sei, dass Kunden Achtsamkeit entwickeln und günstige Rahmenbedingungen schaffen. Dabei werden sie durch die Auticon-Pädagogen/-innen, die sogenannten "Sprachrohre" der autistischen IT-Consultants, unterstützt. "Viele unserer Mitarbeiter empfinden beispielsweise körperliche Schmerzen beim Händegeben. Und für Smalltalk und Floskeln fehlt ihnen jegliches Verständnis. Das lässt sich alles leicht vermeiden, wenn man es weiß." Umgangsregeln und ein Arbeitsumfeld, das auf die Filterschwäche der Consultants eingerichtet ist, werden vorab mit dem Kunden besprochen. "Wenn das geklärt ist, funktioniert die Zusammenarbeit meist ausgezeichnet“, berichtet Heike Gramkow. "Wir müssen sogar hohe Vertragsstrafen festlegen, damit unsere Mitarbeiter nicht laufend abgeworben werden."

 

 
Andreas Melzer ist Kunde bei Auticon und
mit der Zusammenarbeit sehr zufrieden

Das kann Andreas Melzer gut verstehen. Er ist CEO des Startups mybiscon und Kunde von Auticon. "Es ist ein riesen Vorteil, dass man von den IT-Consultants der Auticon immer 100 Prozent ehrliche Antworten bekommt und immer reine Fachgespräche führt. Sie sind ohne Hintergedanken an Problemlösungen interessiert und nicht daran, sich selbst oder irgendwelche Produkte zu verkaufen." Die Reizverminderung, die Auticon-Consultants zum Arbeiten benötigen, stört ihn nicht: "Jeder hat seine Grenzen im Arbeitsalltag.
Beim anschließenden Imbiss
wurden Kontakte geknüpft

Die Zusammenarbeit mit Auticon hat mir vor Augen geführt, wie nachlässig wir oftmals damit umgehen", gibt Melzer zu bedenken. "Denn es schadet uns genauso, wenn wir unsere Grenzen ignorieren." Andreas Melzer zieht viel Positives aus der Zusammenarbeit, bei der stets eine gewisse Achtsamkeit gefordert ist: "Es fühlt sich nicht an wie eine Behinderung. Es ist eine Bereicherung."

 

 

Die nächste HR Group in Kooperation mit Hamburg@work findet am Donnerstag, dem 9. November 2017, 18:30 bis 21:00 Uhr, in der KWB e. V. statt. Interessierte können sich bereits jetzt per E-Mail unter HRGroup@kwb.de anmelden.  

 

 

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