Vom Praktikum in die Ausbildung

Qais Haidari unterschreibt bei DESY

Qais Haidari ist aus Afghanistan nach Deutschland geflohen und musste hier bei null anfangen. Durch die Vermittlung von KWB-Referentin Hülya Eralp konnte er schließlich ein Praktikum in der Bibliothek des Deutschen Elektronen-Synchrotron DESY beginnen. Am 2. August 2017 kamen Qais Haidari, Hülya Eralp und die Ausbildungsleiterin der DESY-Bibliothek, Antje Daum, erneut  zu einem freudigen Anlass zusammen: Der Unterzeichnung seines Ausbildungsvertrages. Hülya Eralp hat die beiden zu ihrer Zusammenarbeit interviewt.


V.l.: Antje Daum, Ausbildungsleiterin
in der DESY-Bibliothek,
Azubi Qais Hadari und
KWB-Referentin Hülya Eralp.

Hülya Eralp: Frau Daum, was hat Sie motiviert, Geflüchteten eine Ausbildungschance im Unternehmen zu geben?

 

Antje Daum: Wir wollten etwas tun! Um das DESY-Gelände befinden sich viele Unterkünfte für Geflüchtete und Asylsuchende. Diese Menschen möchten wir gerne unterstützen und integrieren. Schließlich ist DESY ein großes, nationales Forschungsinstitut und kann das leisten. Über einen Kollegen habe ich von der KWB-Veranstaltung "Win-win-Chancen. Unternehmen stellen Geflüchtete ein." gehört und bin mit ihm hingegangen, um mehr zu unseren Möglichkeiten zu erfahren.


Hülya Eralp: Wie sind Sie auf Qais Haidari gestoßen und warum haben Sie sich für ihn entschieden?

 

Antje Daum: Nach der Veranstaltung bin ich mit KWB-Referentin Hülya Eralp in Kontakt getreten. Über ihre Mitarbeit im W.I.R - work and integration for refugees hat sie Zugriff auf geeignete Kandidaten. Qais Haidaris Bewerbung ist bei uns sehr gut angekommen. Er spricht schon prima deutsch, versteht alles, kann sich für Bibliotheken begeistern und vieles mehr. Daher haben wir uns für ihn entschieden.


Hülya Eralp: Was für einen Eindruck haben Sie von ihm während des Praktikums bekommen?

 

Antje Daum: Wir haben ihm erst mal ein dreimonatiges Praktikum angeboten, um zu sehen, ob er hier rein passt und auch für ihn selbst. Eine Bibliotheks-Ausbildung ist nicht für jedermann was. Während des Praktikums haben wir aber den Eindruck bekommen, dass er sich sehr gut integrieren kann, er sich wohlfühlt und die Arbeit gut schafft. Er begreift alles schnell, ist sehr klug und clever. Ich brauche ihm alles nur einmal zu erklären und dann kann er es sofort umsetzen. Ich war sehr zufrieden und deshalb hab ich auch drauf gedrängt, dass möglichst schnell ein Ausbildungsvertrag geschlossen wird.


Hülya Eralp
: Herr Haidari, wie gefällt Ihnen die Arbeit in der DESY Bibliothek?

 

Qais Haidari ist seit August
Auszubildender im DESY.

Qais Haidari: Es gefällt mir sehr gut in der DESY-Bibliothek. Es gibt eigentlich keinen Arbeitsbereich, den ich nicht mag. Meine Kollegen und meine Ausbilderin sind sehr nett und ich habe schon viel von ihnen gelernt.


Hülya Eralp: Endet der Kontakt nach der täglichen Arbeitszeit?

 

Antje Daum: Der Kontakt geht auch über die Arbeitszeit hinaus. Ich unterstütze Qais bei der Wohnungssuche und beim Abschluss eines Handyvertrages, den er dringend für den Kontakt zu seiner Familie braucht. Ich gehe dann mit, lese Verträge gegen und sorge dafür, dass er das bestmögliche bekommt. Das macht Spaß und ich mache das auch nach Feierabend.

Qais vertraut mir inzwischen sehr, so dass er auch Persönliches mit mir bespricht. Das sind für mich besondere Momente, wenn ich merke, dass ich für so einen jungen Menschen, eine wichtige Kontaktperson bin und ihm helfen kann. Dann gehe ich abends nach Hause und habe ein gutes Gefühl.


Hülya Eralp: Gab es bürokratische Hürden bis zur Unterzeichnung des Ausbildungsvertrages? Wie haben Sie diese überwunden?

 

Antje Daum: Es gibt natürlich nicht immer nur positive Resonanz, wenn man einen geflüchteten Menschen aus Afghanistan einstellen will. Es musste teilweise viel Papier gewälzt und Anträge geschrieben werden. Aber mit der Unterstützung von Frau Eralp habe ich das geschafft und ich bin sehr stolz darauf, dass es letztendlich so gut geklappt hat.


Hülya Eralp: Herr Haidari, was bedeutet die Ausbildung für Sie?

 

Qais Haidari: Die Ausbildung bedeutet für mich eine neue Zukunft.  Ich habe den Vertrag unterschrieben und kann mir nun eine Zukunft aufbauen. Die Ausbildung bedeutet auch aufenthaltsrechtlich viel für mich* und ich bekomme mehr Geld.


Hülya Eralp: Welchen Rat würden Sie Ihren Freunden geben, die in Deutschland beruflich Fuß fassen möchten?

 

Antje Daum und Qais Haidari macht
die Zusammenarbeit in der Bibliothek
viel Spaß.

Qais Haidari: Die Sprache ist sehr wichtig. Wenn wir hier in Deutschland leben, dann muss man Deutsch sprechen können und Kontakt haben zu anderen Leuten. Man muss versuchen, mehr zu lernen. Es ist gut ein Praktikum vor der Ausbildung zu machen, damit man sieht, ob man das weitermachen kann oder nicht.


Hülya Eralp: Frau Daum, was wünschen Sie sich für Ihren Auszubildenden in der Zukunft?

 

Antje Daum: Ich wünsche mir, dass Qais jetzt hier erst mal richtig ankommen kann. Er hat ja bis zum Schluss bangen müssen, ob er wirklich einen Ausbildungsplatz bekommt. Nun soll er möglichst etwas zur Ruhe kommen und eine schöne Wohnung in der Nähe finden. Ich wünsche ihm, dass er ruhige und friedliche Jahre hier verbringen kann und irgendwann seine Eltern wiedersieht, die er sehr vermisst. Solange versuchen wir hier, ihm eine Art Familie zu sein.


 

 

Hülya Eralp: Vielen Dank für das Gespräch. Ich wünschen Ihnen beiden weiterhin viel Spaß und Erfolg bei der Zusammenarbeit.


* Anmerkung der Redaktion: Durch den Ausbildungsvertrag bekommt Qais Haidari für fünf Jahre eine Aufenthaltssicherheit, die er vorher nicht hatte.

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Das Projekt "Fachkräftesicherung bei kleinen und mittleren Unternehmen" wird von der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration der Freien und Hansestadt Hamburg im Rahmen des Aktionsbündnisses für Bildung und Beschäftigung Hamburg – Hamburger Fachkräftenetzwerk finanziert.

 

 

 

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