Begabung sichtbar machen!

Fachtag und Messe "Vielfalt und Qualität"

Der Fachtag via Graphic
Recording von Angela Gerlach.
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Das Interesse am Thema Bildungsgerechtigkeit verband die über 230 Lehrkräfte und Schulleitungen, die am 9. November 2017 zum Fachtag "Vielfalt und Qualität" im Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung (LI) zusammenkamen. Prof. Dr. Haci Halil Uslucan von der Universität Duisburg-Essen verdeutlichte in seinem Vortrag "Migration und Begabung", wie Potenzial und Hochbegabung bei Schülerinnen und Schülern mit Migrationsgeschichte erschlossen werden kann und welche Barrieren dafür abgebaut werden müssen. Auf der Messe zur Vernetzung für die interkulturelle Öffnung von Schule knüpften die Teilnehmenden Kontakt zu 36 schulischen sowie außerschulischen Trägern und Vereinen.

 

 

 

 

 

 

Bildergalerie des Fachtags "Vielfalt und Qualität"


Fotos: © Jens Hannewald - Photographie

 

 

"Bildungsgerechtigkeit bedeutet, dass alle in der Schule erfolgreich lernen können! Dafür benötigen wir einen wertschätzenden Umgang sowie passende Strukturen", begrüßte  Beate Proll, Leiterin der Abteilung "Beratung– Vielfalt, Gesundheit und Prävention" am LI, die Teilnehmenden zum Fachtag "Vielfalt und Qualität". KWB-Referentin Dr. Rita Panesar erläuterte, wie die "Interkulturellen Koordinationen" als Veränderungsakteure an ihren Schulen an diesem Ziel arbeiteten, und stellte den Referenten Prof. Dr. Haci Halil Uslucan, Professor für Moderne Türkeistudien an der Universität Duisburg-Essen und Wissenschaftlicher Leiter des Zentrums für Türkeistudien und Integrationsforschung, vor.

Prof. Dr. Haci Halil Uslucan hielt den
Impulsvortrag "Migration und Begabung".

"Migration und Begabung – diese Schlagworte hört man selten gemeinsam in einem Satz. Ein Grund sich mit dem Thema eingehender zu beschäftigen", eröffnete Prof. Uslucan seinen Vortrag. Die Größe der Gruppe "Menschen mit Migrationsgeschichte", bundesweit nämlich ein Drittel der Gesamtbevölkerung, mache die Dringlichkeit noch deutlicher. Hochbegabung gebe es in jedem Kulturkreis – warum sie aber oft gerade bei Migranten/-innen übersehen werde, habe verschiedene Gründe.

Diagnostische Mängel ständen der Begabungsfeststellung vielmals im Weg: Sprachgebundene Wissenstests, kulturabhängige Definition von Allgemeinbildung und Festlegung der Norm anhand einer in Deutschland geborenen, weißen Mittelschicht verzerrten die Ergebnisse. 40 Prozent der Kompetenzunterschiede ließen sich allein durch unterschiedliche Kenntnisse der normativen Sprache Deutsch zurückführen – und seien ganz und gar kein Indikator für Intelligenz.

v. l.: Beate Proll, Eleonora Cucina,
Prof. Dr. Haci Halil Uslucan, Dr. Rita Panesar,
Angela Gerlach, Martin B. Washington und
Faried Ragab.

Prof. Dr. Uslucan wies auf die Aufgabe von Lehrkräften und pädagogischem Personal hin, Potenzial und Begabung im Klassenzimmer zu erkennen und zu fördern. Für einen Schüler, der erst vor zwei Jahren unter schweren Bedingungen nach Deutschland gekommen sei, wären durchschnittliche Noten beispielsweise ein klares, aber oft übersehenes Zeichen einer besonderen Begabung.

Lehrkräfte müssten sich auch ihren Vorurteilen und deren positiven bzw. negativen Konsequenzen bewusst sein. Unter dem "Pygmalion-Effekt" wurde wissenschaftlich belegt, dass eine vorweggenommene positive Einschätzung durch Lehrkräfte den Werdegang der Schülerin bzw. des Schülers unterstütze. Sie würden häufiger angesprochen, gelobt und stärker gefordert. Allein die Erwartungshaltung der Lehrkräfte beeinflusst also die Lernerfolge der Schüler/-innen.

Die Teilnehmenden konnten sich bei
36 Ausstellern informieren
.

Welche Maßnahmen Lehrkräfte zur Bildungsgerechtigkeit und interkulturellen Öffnung an ihren Schulen noch umsetzen können, präsentierten 36 schulische und außerschulische Kooperationspartner/-innen auf der anschließenden Messe. Inhalte waren unter anderem interkulturell sensible Unterrichtsmaterialien, Angebote für neuzugewanderte Schülerinnen und Schüler, Weiterbildung des Kollegiums, Elternkooperation sowie Mentorenprojekte.

"Ich bin gespannt, was alles angeboten wird", äußerte sich eine DAZ-Lehrerin des Wolfgang-Borchert-Gymnasium Halstenbek. "Als Quereinsteigerin habe ich noch gar keinen Überblick über die Förderlandschaft." Und auch eine Lehrerin der Grundschule Strenge freute sich über die Möglichkeiten auf der Messe: "Für uns ist die Konfrontation mit dem Thema noch neu. Deshalb ist das hier eine echte Horizonterweiterung für mich."

 

Die Basis für fruchtbare Kooperationen
wurde gelegt
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Cornelia Pries und Anna Cardinal vom Verbund binationaler Familien und Partnerschaften lobten den Fachtag und freuten sich über die klaren Worte, die vor großem Publikum gefunden worden wären. Sie schlossen sich dem geäußerten Wunsch nach rassismuskritischem Umgang und einem Beschwerdemanagement in Schulen an.

Frau Tsabonca-Evangelistis, Lehrerin an der Gretel Bergmann-Schule, erklärte: "Ich bin von den Angeboten ganz überwältigt. Mich interessiert besonders das Unterrichtsmaterial. Ich fand den Vortrag von Prof. Uslucan außerdem ganz toll. Es lohnt sich sehr, genauer nach dem Potenzial in den kulturell so vielfältigen Klassen zu gucken!"

 

 

Die Messe via Graphic
Recording von Angela Gerlach

(Klick zur Vergößerung).

Hintergrund:
Der Fachtag wird von der Beratungsstelle Interkulturelle Erziehung und dem Hamburger Netzwerk "Lehrkräfte mit Migrationsgeschichte" am Landesinstitut gemeinsam mit der KWB Koordinierungsstelle Weiterbildung und Beschäftigung e. V. veranstaltet. Er findet im Rahmen der "Qualifizierung zur Interkulturellen Koordination" als öffentliche Veranstaltung statt. Die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius, die Unfallkasse Nord, das Netzwerk „Lehrkräfte mit Migrationsgeschichte“ sowie die Behörde für Schule und Berufsbildung unterstützen die Umsetzung der Qualifizierung.

 

 

Downloads:

Der Fachtag via Graphic Recording von Angela Gerlach (© KWB/LI).

Die Messe via Graphic Recording von Angela Gerlach (© KWB/LI).

Übersicht der 36 Kooperationspartner/-innen (PDF)

Flyer zur Qualifizierung "Interkulturelle Koordination" (PDF)

 

Fotos: © Jens Hannewald - Photographie

 

 

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Das Projekt "Fachkräftesicherung bei kleinen und mittleren Unternehmen" wird von der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration der Freien und Hansestadt Hamburg im Rahmen des Aktionsbündnisses für Bildung und Beschäftigung Hamburg – Hamburger Fachkräftenetzwerk finanziert.

 

 

 

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