Fachtagung Potenzial 45plus

"Chance für den Arbeitsmarkt"

  
Einen umfassenden Einstieg in die Thematik gab Franz Thönnes (MdB), Parlamentarischer Staatssekretär Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Er kennt die bundespolitische Debatte zur alternden Gesellschaft und auch die Verhältnisse in Hamburg. Thönnes war hier 20 Jahre lang in der Sozialpolitik tätig. Er hob hervor, dass die Einführung der Rente mit 67 Jahren von der Bundesregierung mit einer Reihe flankierender Maßnahmen begleitet wird. Die Initiative 50+, Zuschüsse für Unternehmen, die Ältere einstellen oder qualifizieren, Programme zur Integration und der Wegfall der Altersteilzeit gehören zu diesen Maßnahmen. Es zeigen sich, so Thönnes, bereits Erfolge, indem die Zahl der Einstellung Älterer überdurchschnittlich angewachsen sei.

Altersmanagement, CeBB Hamburg
Gleiches konnte Bernhard Proksch, Senatsdirektor in der Behörde für Wirtschaft und Arbeit, auch für Hamburg bestätigen. Er fügte jedoch hinzu, dass die Erwerbsbeteiligung von Menschen ab 50 Jahren in der Hansestadt vergleichsweise gering ausfalle, trotz der positiven wirtschaftlichen Entwicklung in der Hansestadt.

CeBB Hamburg ein Projekt der KWB
Woran das liegt, versuchte die Expertenrunde in der Podiumsdiskussion zu klären. Die langjährige Praxis der Frühverrentung wurde als eine Ursache genannt. Hierdurch wurde der Eindruck befördert, dass Ältere zu den weniger Leistungsfähigen gehören und am ehesten zu entbehren seien. Auch viele der Betroffenen, die als Arbeitsuchende zur Beratung ins CeBB kommen, hätten diese Meinung verinnerlicht, berichtete die Projektleiterin von Potenzial 45plus, Susanne Sabisch-Schellhas. Hier wird die Gesellschaft umdenken müssen, denn Ältere stellen zukünftig das Gros der Erwerbstätigen
Eine weitere Erklärung steuerte Dr. Lutz Bellmann vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung mit seinem Vortrag bei. Er sieht in dem geringen Angebot an betrieblicher Weiterbildung, insbesondere in kleinen und mittleren Unternehmen, und in dem extrem niedrigen Anteil der Älteren eine Fehlentwicklung. Lebensbegleitendes Lernen sei kein alter Hut, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit, um im globalen Wettbewerb zu bestehen.
Hierfür stellt die Agentur für Arbeit Unternehmen sogar finanzielle Unterstützung zur Verfügung. „Es soll mir in den nächsten Jahren kein Unternehmen kommen und sagen, es habe keine qualifizierten Fachkräfte" warnte Dr. Schmidtke Glamann, Chef der Agentur in Hamburg mit Hinweis auf das Programm WeGebAU. Es unterstützt die berufliche Qualifizierung Älterer sowie An- und Ungelernter und wird bisher kaum genutzt.
„Mit unseren älteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist das Unternehmen groß geworden" würdigte Torsten Nehls vom Personalmanagement der Hamburger Hafen und Logistik AG die Leistung der Älteren. Die HHLA verfügt über eine eigene Weiterbildungsabteilung und führt in den Einzelunternehmen Altersstrukturanalysen durch. „In KMU sieht die Realität meist anders aus" berichtete Susanne Sabisch-Schellhas aus der Beratungspraxis des CeBB. „Es fehlt an Zeit, Ressourcen und oft auch an Informationen für eine systematische Personalentwicklung. Wir beraten KMU kostenlos, setzen eine Altersstrukturanalyse ein und erarbeiten mit dem Betrieb ihren individuellen Weg zur Entwicklung der Mitarbeiterpotenziale.
Hier sieht Franz Thönnes erheblichen Beratungsbedarf: „In Zukunft sollten Einrichtungen wie das CeBB externe Unterstützung für KMU bei der Planung von Weiterbildung und Personalentwicklung leisten".
Damit das CeBB in der Stadt bekannt wird, hängen im Dezember Plakate in den S- und U-Bahnen sowie an der Werbefläche am Haus des Sports aus. Die Entwürfe stammen von jungen Grafikstudent/innen der Hamburger Kunstschule.