Teilzeitausbildung bei der Stadtreinigung Hamburg

Ausbildungsleiter Jörn Lamprecht und Auszubildende Sophie Schelle
Ausbildungsleiter Jörn Lamprecht und die Auszubildende Sophie Schelle ziehen eine positive Bilanz bezüglich der Teilzeitausbildung. Foto: © KWB

Wer schon früh Zuhause Sorgearbeit leistet, kann nur schwer nebenbei eine berufliche Ausbildung in Vollzeit absolvieren. Immer mehr Unternehmen bieten daher an, die Ausbildung in Teilzeit umzusetzen. Die Stadtreinigung Hamburg hat bereits 15 jungen Müttern ermöglicht, sich mit einer Teilzeitausbildung eine solide Basis für ihre berufliche Zukunft zu schaffen. Darunter auch Sophie Schelle, die sich sicher ist, dass es die richtige Entscheidung für sie und das Unternehmen war. Ausbildungsleiter Jörn Lamprecht erläutert, warum auch er von dem Modell überzeugt ist.

Besondere Motivation der Auszubildenden in Teilzeit

"Wir bilden seit 2009 in Teilzeit aus", berichtet Jörn Lamprecht, Ausbildungsleiter der Stadtreinigung Hamburg. "Zum einen ist es ein gesellschaftlicher Beitrag, den das Unternehmen leisten möchte. Jungen Menschen, meist jungen Müttern, wird damit eine Ausbildung ermöglicht, die sie ohne das Teilzeitangebot nicht machen können", erklärt er. Zum anderen seien es aber auch besondere Qualitäten, die er bei den Teilzeitauszubildenden feststelle. "In der Regel sind die jungen Mütter sehr motiviert. Manchmal mehr als die Vollzeitauszubildenden, weil sie das klare Ziel vor Augen haben, die Ausbildung möglichst schnell mit gutem Erfolg abzuschließen."

Ein gutes Beispiel hierfür ist die 26-jährige Sophie Schelle. Sie absolviert seit August 2018 eine Ausbildung in Teilzeit zur Kauffrau für Büromanagement bei der Stadtreinigung Hamburg. "Für mich ist diese Form der Ausbildung das Beste, was mir hätte passieren können. Ich habe einen tollen Arbeitgeber, lerne den Beruf, den ich immer lernen wollte, und habe trotzdem noch Zeit für meine Familie", so Sophie Schelle. Und auch sie legt diese besondere Motivation und Leistung an den Tag, sodass sie ihre Ausbildung sogar noch verkürzen kann. "Vor allem geht es mir darum, eine Perspektive für mich selbst zu haben und Vorbild für meine Tochter zu sein. Auch mit Kind sollte man die Möglichkeit haben, einen Ausbildungsabschluss zu erlangen."

Herausforderungen während der Pandemie

Auszubildende, die Zuhause familiäre Verantwortung tragen, sind von den Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie selbstverständlich stärker betroffen als Auszubildende, die nur ihren eigenen Alltag managen müssen. Wenn Schulen und Kindertagesstätten geschlossen bleiben, kann sogar eine Ausbildung in Teilzeit zur Herausforderung werden. "Selbstverständlich gab es auch Kitaschließungen, die mitberücksichtigt werden mussten", so Jörn Lamprecht. "Aber es wurden immer Regelungen gefunden, die für beiden Seiten eine gute Lösung ermöglicht haben." Da die Stadtreinigung Hamburg zudem ein systemrelevantes Unternehmen ist, kann Sophie Schelle die Notbetreuung ihrer Kindertagesstätte in Anspruch nehmen. Das versucht sie aber zu vermeiden. "Die Berufsschule läuft über Homeschooling. Das funktioniert gut – auch mit Kind", so die junge Mutter.

Novellierung des Berufsbildungsgesetzes

TZA-Beraterin Nicole Adamski im Gespräch mit Sophie Schelle.
Nicole Adamski, Beraterin des ServiceCenters Teilzeitausbildung, im Gespräch mit Sophie Schelle.
Foto: © KWB

Durch die Novellierung des Berufsbildungsgesetzes gab es Anfang 2020 Veränderungen in Bezug auf die Teilzeitausbildung. Das Gesetz sieht seit der Novellierung vor, dass sich die Ausbildungsdauer grundsätzlich entsprechend der reduzierten Stundenzahl verlängert. Wird die Arbeitszeit im Betrieb im Rahmen einer Teilzeitausbildung auf 75 Prozent reduziert, wird die Gesamtdauer der Ausbildung um 25 Prozent erhöht. Die Stadtreinigung Hamburg sowie das Netzwerk Teilzeitberufsausbildung, zu dem auch das ServiceCenter Teilzeitausbildung gehört, sehen diese Entwicklung kritisch.

"Wir hatten insgesamt 15 Auszubildende in Teilzeit, von denen haben insgesamt acht die Ausbildung in verkürzter Zeit gemacht", erläutert Jörn Lamprecht seine Einstellung. "Von daher ist mein eindeutiges Statement, dass eine Verlängerung der Ausbildungszeit nicht erforderlich ist." Auch die Auszubildende Sophie Schelle befürwortet diese Veränderung nicht. "Ich bin froh, meine Ausbildung nach zweieinhalb Jahren abzuschließen und im Berufsleben zu stehen", sagt sie. "Ich weiß nicht, ob ich eine Ausbildungsdauer von viereinhalb Jahren in Kauf genommen hätte."

Einen Aspekt der Novellierung sieht das ServiceCenter Teilzeitausbildung dennoch positiv. "Wir begrüßen die Flexibilisierung, die mit der generellen Erweiterung der Zielgruppe einhergeht", erläutert die Referentin Nicole Adamski. Mit der Neuregelung wurde das Angebot der Ausbildung in Teilzeit nun auch für andere Personengruppen geöffnet. Menschen mit Behinderungen, lernbeeinträchtigte Personen oder Geflüchtete dürfen beispielsweise ebenfalls eine Teilzeitausbildung absolvieren.

Die Zusammenarbeit mit dem ServiceCenter Teilzeitausbildung

Vom ServiceCenter Teilzeitausbildung fühlte sich Sophie Schelle immer gut unterstützt: "Die Jugendberufsagentur in Bergedorf hat mich auf das ServiceCenter Teilzeitausbildung aufmerksam gemacht. Ich habe schnell einen Termin bekommen und hatte sofort das Gefühl, gut beraten und mit meinen Wünschen gesehen zu werden", so die Auszubildende. "Ich habe Unterstützung bei der Erstellung meines Anschreibens sowie Lebenslaufs erhalten und Tipps bekommen, bei welchen Unternehmen ich mich um eine Ausbildung in Teilzeit bewerben kann."

Flyer für Arbeitgeber
Das ServiceCenter Teilzeitausbildung unterstützt Unternehmen bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen. Details finden Sie im Flyer.

Unternehmen, die sich für die Ausbildung in Teilzeit öffnen möchten, können sich ebenso beim ServiceCenter Teilzeitausbildung melden und werden fachkompetent beraten. Über diesen Weg hat auch die Stadtreinigung Hamburg schon mehrere Auszubildende gewonnen: "Kandidatinnen und Kandidaten, die über das ServiceCenter Teilzeitausbildung kamen, waren immer sehr gut vorbereitet, wussten, was auf sie zu kommt, und hatten ihr Familienleben bereits gut organisiert", so Jörn Lamprecht.

 

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