01.10.2020

Rassismus in der Gesellschaft und die Rolle der Schule

Fachveranstaltung – Zertifikatsverleihung und Startschuss für die 5. Qualifizierung zur Interkulturellen Koordination

Hamburger Landesschulrat Thorsten Altenburg-Hack
Der Hamburger Landesschulrat Thorsten Altenburg-Hack eröffnete die Fachveranstaltung.

"Lassen Sie uns und Ihre Schulen von ihrem diversitätsbewussten gerne auch kritischen Blick, von Ihrer motivierenden Art und von Ihrem Umfangreichen Know-How profitieren!", so der Hamburger Landesschulrat Thorsten Altenburg-Hack angesichts der Zertifikatsverleihung für 20 ausgebildete Interkulturelle Koordinationen am Dienstag, den 29. September 2020.

Ausgrenzung stoppen – Rassismus in der Gesellschaft und die Rolle der Schule

Die Fachveranstaltung "Ausgrenzung stoppen – Rassismus in der Gesellschaft und die Rolle der Schule" bildete den Rahmen für die Ehrung der qualifizierten Lehrkräfte und den Start der fünften Qualifizierung zur Interkulturellen Koordination (IKO) 2020 bis 2022. "Als Interkulturelle Koordinatorinnen und Koordinatoren wissen Sie um die Bedarfe und Strategien, mit denen Gerechtigkeit hergestellt und ein wertschätzendes Lernklima und Lernen organisiert werden kann", so der Landesschulrat weiter.

Wie kann Ausgrenzung in der Schule verhindert werden?

Prof. Dr. Yasemin Karakașoğlu von der Universität Bremen
Prof. Dr. Yasemin Karakașoğlu von der Universität Bremen inspirierte mit ihrem Impulsvortrag.

Prof. Dr. Yasemin Karakașoğlu, Universität Bremen, beschrieb in ihrem Impulsvortrag eine Fülle von Strategien, mit denen Schulen so gestaltet werden können, dass Lernende aufgrund ihrer tatsächlichen Herkunft oder zugeschriebenen ethnischen Gruppenzugehörigkeit nicht ausgegrenzt oder benachteiligt werden. "Dazu gehört auch eine selbstkritische Auseinandersetzung mit alltäglichen Routinen des Austauschs von Stereotypen, der Hinterfragung von verbreiteten Bildern über 'die Anderen' und der Versuchung zu widerstehen, medial verbreitete Bilder als Erklärung für problematische Situationen an Schulen, an denen Menschen mit Migrationshintergrund beteiligt sind, heranzuziehen, überhaupt der Versuchung zu widerstehen, Kultur als Erklärung für scheinbar Unerklärliches zu bemühen", so die Vorsitzende des renommierten Rats für Migration.

Emotionale Lesung aus der Autobiografie von Gloria Boateng 

Gloria Boateng
Die Lehrerin Gloria Boateng las aus ihrem Buch "Mein steiniger Weg zum Erfolg".

Gloria Boateng, eine der wenigen Schwarzen Lehrerinnen aus Hamburg, Vorstandsvorsitzende des Vereins SchlauFox e. V. und Trägerin des Bundesverdienstkreuzes, las im zweiten Impuls aus ihrer beeindruckenden Autobiographie "Mein steiniger Weg zum Erfolg". Die Beschreibung ihrer Einschulung spiegelt den Schmerz und die Verletzung angesichts rassistisch motivierter Gewalt im Alltag von Schwarzen Schülerinnen und Schülern.

Gloria Boateng beschreibt wie sie mit Bildung und Vernetzung allen Widerständen und Schicksalsschlägen trotzte und schließlich ihr Abschlusszeugnis für das erste Staatsexamen mit Auszeichnung in den Händen hält: "Ich habe es geschafft. Ich, Ama Boaduwaa Boateng aus Pramso. Ich habe im mir vorher unbekannten Deutschland den höchsten Bildungsabschluss erlangt. Ich habe es allen gezeigt. Allen, die nicht geglaubt hätten, dass ein ghanaisches Mädchen so schnell Deutsch lernen kann. Allen, die mich haben spüren lassen, in diesem Land nicht willkommen zu sein. (…) Ich habe es allen gezeigt. Aber am meisten mir selbst."

Zertifikatsvergabe nach zweijähriger Qualifizierung

Prof. Josef Keuffer, Direktor des Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung und Hansjörg Lüttke, geschäftsführender Vorstand der KWB e. V.
Prof. Dr. Josef Keuffer, Direktor des LI, und Hansjörg Lüttke, geschäftsführender Vorstand der KWB e. V., übergaben die Zertifikate.

Im Anschluss an die fachlichen Impulse und eine kurze Rückschau zur Qualifizierung überreichten Prof. Dr. Josef Keuffer, Direktor des Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung (LI) und Hansjörg Lüttke, geschäftsführender Vorstand der KWB e. V. feierlich die Zertifikate an die Interkulturellen Koordinationen 2018-2020. Diese zeigten die Ergebnisse ihrer zweijährigen Weiterbildung im Rahmen einer Posterpräsentation. Lehrerinnen und Lehrer, die jetzt mit ihrer Qualifizierung starten, konnten anhand der guten Praktiken einen ersten Eindruck von ihrem zukünftigen Tätigkeitsfeld gewinnen.

Motivation für die Teilnehmenden der neuen IKO-Staffel

Teilnehmende des IKO-Fachtags
Am Fachtag durften Corona-bedingt ausschließlich die IKOs der Staffel 4 und 5 persönlich teilnehmen.

"Die Veranstaltung hat mich sehr motiviert", so Ezgi Yilmas. "Besonders die Präsentationen der anderen IKOs waren spannend für mich. Wahnsinn, was die in zwei Jahren geschafft haben." Und eine weitere Teilnehmerin der neuen IKO-Staffel berichtete: "Die Lesung von Gloria Boateng hat mich sehr berührt. Mein Mann ist halb Iraker. Vieles von dem, was sie erzählt hat, hat er auch so erfahren. Bei uns an der Schule beschimpfen sich die Jugendlichen mit Migrationsgeschichte gegenseitig. Da möchte ich etwas verändern."

Dr. Rita Panesar und Regine Hartung erhielten von den IKO-Absolventen/-innen Blumen zum Dank.
Dr. Rita Panesar (KWB) und Regine Hartung (BIE/LI) erhielten von den IKO-Absolventen/-innen Blumen zum Abschluss der Qualifizierungsstaffel.

Die Fachveranstaltung wurde von der Beratungsstelle Interkulturelle Erziehung am Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung und der KWB Koordinierungsstelle Weiterbildung und Beschäftigung durchgeführt.

Die Qualifizierung wird durch die Behörde für Schule und Berufsbildung finanziert.

Verantwortlich:

Regine Hartung (LI/BIE), Tel.: 040 428842-581, regine.hartung@li-hamburg.de
Dr. Rita Panesar (KWB e. V.), Tel.: 040 334241-422, panesar@kwb.de

Mitschnitte und Downloads:

Vortrag Prof. Dr. Yasemin Karakașoğlu "Interkulturelle Öffnung und rassismuskritische Schule" (PDF)

Bericht über den Fachtag in "Hamburg macht Schule" 04/2020 (PDF)

Literatur-Empfehlungen:

Yasemin Karakaşoğlu/Paul Mecheril im Gespräch mit Jeanette Goddar: Pädagogik neu denken! Die Migrationsgesellschaft und ihre Lehrer_innen, Weinheim/Basel 2019.

Gloria Boateng: Mein steiniger Weg zum Erfolg. Wie Lernen hilft, Hürden zu überwinden und warum Aufgeben keine Lösung ist, Hamburg 2019.

Fotos: © KWB

Kontakt

Bjeen Alhassan
Tel.: 040 334241-338

Janna Bischoff
Tel.: 040 334241-461 

Dr. Oliver Borszik
Tel.: 040 334241-336

Monika Ehmke
Tel.: 040 334241-333

Sandra Hinrichs
Tel.: 040 334241-420

Larissa-Sophie Host    
Tel.: 040 334241-260

Dr. Rita Panesar
Tel.: 040 334241-422

Susanne Sabisch-Schellhas
Tel.: 040 334241-415


Das Projekt "Fachkräfte für Hamburg" wird von der Behörde für Arbeit, Gesundheit, Soziales, Familie und Integration der Freien und Hansestadt Hamburg im Rahmen des
Aktionsbündnisses für Bildung und Beschäftigung Hamburg – Hamburger Fachkräftenetzwerk finanziert.