Branchendialoge zum Thema Minijobs

(V. l.) Brigitte Nolte, Geschäftsführung Handelsverband
Nord, Petra Lotzkat, Staatsrätin der Sozialbehörde,
und Heike Lattekamp, Landesfachbereichsleitung ver.di,
luden sozialpartnerschaftlich zum Dialog des
Einzelhandels ein.

"Wir können zeitweise keine Aufträge mehr annehmen, weil uns das Personal dafür fehlt", berichtete die Personalleitung einer Hamburger Reinigungsfirma auf dem Branchendialog "Verborgene Ressourcen von Minijobbenden". Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, lohnt sich ein Blick auf die eigenen Angestellten und ihre Beschäftigungsform. Die Umwandlung von Minijobs in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ist ein Lösungsansatz, der sowohl für Arbeitgeber/-innen als auch für Arbeitnehmer/-innen viele Vorteile hat. Im Rahmen von drei Branchendialogen diskutierten Vertreter/-innen von Behörden, Berufsverbänden und Gewerkschaften mit Unternehmern/-innen Erfolgsstrategien und Herausforderungen, die mit der Umwandlung von Minijobs einhergehen.


Zu wenig Arbeitsstunden pro Monat, hoher Verwaltungsaufwand, geringere Verbundenheit mit dem Unternehmen und seinen Dienstleistungen – die Nachteile der Beschäftigungsform Minijob haben die meisten Personalverantwortlichen deutlich vor Augen. Nichtsdestotrotz ist der Anteil von Minijobbenden in einigen Branchen recht hoch. Viel Potenzial, das durch Umwandlung in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung besser ausgeschöpft werden könnte.

Download Infopapier: "Minijobs:
Das sollten Unternehmen wissen"


 

 

Das Hamburger Fachkräftenetzwerk hakt nach


 
Das "Aktionsbündnis für Bildung und Beschäftigung Hamburg – Hamburger Fachkräftenetzwerk" hat sich zum Ziel gesetzt, mit Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern/-innen der Arbeitsverwaltung sowie den Behörden Strategien und Lösungen zur Fachkräftesicherung in Hamburg zu erarbeiten. Die Partner haben unter anderem Minijobs als Handlungsfeld ausgemacht, in dem Fachkräftepotenzial verborgen liegt. In ihrem Auftrag organisierte die KWB Koordinierungsstelle Weiterbildung und Beschäftigung e. V. Dialoge mit den Branchen Einzelhandel, Gastgewerbe und Gebäudereinigung, um gemeinsam mit den Sozialpartnern die Hintergründe der geringfügigen Beschäftigung zu ermitteln und sich mit Unternehmensvertretern/-innen dazu auszutauschen.

Potenzial Minijobbende


Sozialpartner und Unternehmensvertreter/-innen
kamen in einen intensiven Austausch.
Alle drei Branchen bestätigten im Rahmen der Dialoge, dass der durchschnittliche Aufwand, eine Stelle zu besetzen, in den letzten Jahren stetig gestiegen sei. Mit Minijobbenden werde in vielen Unternehmen auch versucht, die Fachkräftelücke zu schließen. Gerade Rand- und arbeitsintensive Spitzenzeiten würden über geringfügige Beschäftigung abgedeckt. Minijobs dienten aber auch als Einstiegsqualifizierung oder Talentpool.

Tenor der Branchendialoge war, dass das Potenzial der Minijobbenden gesehen werde und der Wunsch bestehe, dieses in einem größeren Umfang nutzen zu können. Viele Unternehmen errechneten sich dadurch auch finanzielle Vorteile und hofften auf größere Loyalität dem Unternehmen gegenüber.

Branchenspezifische Bedarfe und Herausforderungen

 

 

Die Vertreterinnen der Sozialpartner im Einzelhandel
konnten abschließend viele gemeinsame Ziele festhalten.
Allen voraus die Sicherstellung guter und motivierter
Fachkräfte für die Branche.

Die Vertreter/-innen des Einzelhandels beschrieben ihren Geschäftsbereich als "Branche im Wandel". Offlinehandel müsse sich durch qualifizierte Beratung und engagiertes Personal auszeichnen. Das könne durch eine hohe Bindung der Mitarbeitenden an das Unternehmen sichergestellt werden. Qualifizierungen und verschiedene Formen einer attraktiven Arbeitsplatzgestaltung stellten Anreize zur Umwandlung von Minijobs dar. Gute Kommunikationsstrukturen im Unternehmen sowie größere Bereitschaft zur Abdeckung der Randzeiten auf Seiten der Arbeitnehmer/-innen wurden ebenfalls als Erfolgsfaktoren herausgearbeitet.

 

 

Vertreter/-innen unterschiedlich großer Hotels und
Restaurants kamen zum Branchendialog Gastgewerbe,
zu dem unter anderem der Präsident des DEHOGA
Franz J. Klein (ganz links im Bild) eingeladen hatte.

Das Gastgewerbe beklagte auf dem Branchendialog den großen Personalmangel. Die Möglichkeiten und Karrierechancen in einer wachsenden und krisensicheren Branche mit nicht verlagerbaren Arbeitsplätzen müssten noch besser kommuniziert werden, um Personal zu finden und zu binden. Zudem müssten Arbeitnehmer/-innen intensiver über die Vorteile sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung informiert werden.

In der Branche der Gebäudereinigung stellte sich vor allem die Tagesreinigung als Schlüssel zur Umwandlung in Vollzeit- oder vollzeitnahe sozialversicherungspflichtige Beschäftigung heraus. Die Stunden könnten in den üblichen Schichten am Abend und frühe     Morgen sonst gar nicht abgearbeitet werden. Hier sei ein Umdenken auf Kundenseite nötig, um sich für die Tagesreinigung zu öffnen. 

Hubert Jäger von der Landesinnung der Gebäude-
reiniger Nordost war sich mit der Gewerkschaft einig,
dass die Umwandlung von Minijobs großes Potenzial
für die Branche habe.

 

Für einige Mitarbeitende mit Interesse an einer Umwandlung wurden auch Deutschkurse als hilfreich benannt. Da sich mit 69 Prozent überdurchschnittlich viele Frauen unter den ausschließlich Minijobbenden der Gebäude-reinigung befinden, kam zudem eine zu geringe Flexibilität bei der Kinderfremd-betreuung zur Sprache.


Unternehmensverbände, Gewerkschaften sowie Behörden lobten den konstruktiven, vertrauensvollen Austausch.


 

 

 

 

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