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Frauenförderprojekt in Armenien:
Empowerment, Unternehmertum und Resilienz

Das armenische Wort Karoghem bedeutet "Ich kann". Dieser Motivationsausruf ist Titel des vom Auswärtigen Amt geförderten Projekts, welches binnengeflüchtete Frauen sowie Frauen in schwierigen Lebenslagen empowert. Die KWB und die Kooperationspartner leisten mit der Projektbeteiligung einen wichtigen Beitrag zur ökonomischen und unternehmerischen Stärkung von Frauen in Armenien.

Die Projektstandorte sind die Regionen mit der höchsten Anzahl binnenvertriebener Frauen: Jerewan, Kotajk und Sjunik. Mit einem Start-up-Wettbewerb, individuellem Mentoring, praxisnahen Trainings und einem besonderen Fokus auf Resilienz fördert das Projekt gleichermaßen wirtschaftliche Chancen und persönliche Stärke der Teilnehmerinnen. Langfristig trägt das Projekt zur wirtschaftlichen Diversifizierung Armeniens bei, schafft Einkommen für Familien und stärkt die Rolle von Frauen als aktive Gestalterinnen ihrer Gemeinden.

Foto der Teilnehmerinnen Foto der Teilnehmerinnen
Die Teilnehmerinnen des Projekts "Karoghem" aus Goris.
Foto: KWB

Ein Wettbewerb, der Türen öffnet

Kernstück des Projekts ist der Wettbewerb, bei dem Frauen ihre Geschäftsideen einreichen und im weiteren Verlauf zu tragfähigen Geschäftsmodellen weiterentwickeln können. Die besten Konzepte werden ausgezeichnet und erhalten Startförderungen, die den Aufbau eines eigenen Unternehmens ermöglichen. Der Wettbewerb schafft nicht nur Motivation, sondern macht Unternehmerinnen sichtbar – ein wichtiger Schritt, um weibliche Vorbilder zu stärken.

Foto: Die teilnehmenden bei einer Rollenspiel-Übung. Foto: Die teilnehmenden bei einer Rollenspiel-Übung.
Über eine Rollenspiel-Übung wappnen sich die Teilnehmerinnen für Herausforderungen.
Foto: KWB

Mentoring, Businessplanung und Resilienztrainings

Mit Unterstützung einer Trainerin erstellen die Teilnehmerinnen individuelle Businesspläne – inklusive Finanzplanung und Marktanalyse. Über mehrere Monate hinweg begleiten sie erfahrene, zuvor qualifizierte Mentorinnen. Diese helfen nicht nur fachlich, sondern fungieren auch als wichtige Netzwerkbrücken in lokale Wirtschaftsstrukturen.

Um sicher mit Herausforderungen im Gründungsprozess umzugehen, Entscheidungsfähigkeit zu stärken und die Work-Life-Balance zu unterstützen, erhalten die Teilnehmerinnen zudem ein Resilienztraining.

Das Angebot trifft auf Bedarf

Schon bei der Ausschreibung zeigte sich großes Interesse an dem Projekt Karoghem: Viele Frauen melden sich mit innovativen Ideen aus den Bereichen Handwerk, Agrarinnovation, Gastronomie und Tourismus. Die ausgewählten Teilnehmenden betonten besonders, wie wertvoll die Kombination aus wirtschaftlichem Know-how und persönlicher Stärkung für sie ist.

Das Resilienztraining der KWB

Das Resilienztraining wurde von Anika Dickmann und Silke Potthast durchgeführt. Die beiden KWB-Trainerinnen hatten bereits 2023 gemeinsam in Georgien binnenvertriebene Frauen in Tiflis, Kutaissi und Batumi geschult. Darüber hinaus kann Silke Potthast auf Erfahrungen aus den Trainingsprogrammen 2019 und 2022 mit ukrainischen Frauen in Kiew, Lwiw und Dnipro sowie in hybriden Formaten zurückgreifen.

Foto: Die Teilnehmenden bei einer Gruppenarbeit. Foto: Die Teilnehmenden bei einer Gruppenarbeit.
In der Gruppe entstand eine vertrauensvolle Zusammenarbeit.
Foto: KWB

Prägende Erfahrungen

In Armenien arbeiteten Anika Dickmann und Silke Potthast mit Frauen, die überwiegend aus Bergkarabach – Arzach, wie sie selbst die Region nennen – geflüchtet sind. Viele von ihnen haben den Krieg im Jahr 2020 und den Versuch, die Region durch die Schließung des Latschin-Korridors im Sommer 2023 auszuhungern, unmittelbar miterlebt. Die Ängste aus dieser Zeit und von der Flucht mit ihren Kindern und Familien ab September 2023 spüren viele noch heute.

Vertrauensraum schaffen

Die beiden Trainerinnen trafen auf Teilnehmerinnen, die zu Beginn des Workshops distanziert und vorsichtig agierten, im Laufe der zwei Tage jedoch zunehmend auftauten. Es entwickelte sich ein Vertrauensraum, in dem sie über ihre Sorgen, Nöte, Traumata und Zukunftswünsche sprechen konnten. Schritt für Schritt erlaubten sie sich, eigene Wünsche und Bedürfnisse wahrzunehmen und zu verfolgen. Die Familie spielt für viele der Frauen eine besonders große Rolle. Entsprechend ging es häufig darum, persönliche Ziele mit familiären Bedürfnissen abzugleichen – und sie gegebenenfalls auch durchzusetzen.

Foto: Symbolische Bilder liegen in der Mitte zwischen den Teilnehmerinnen auf dem Boden. Foto: Symbolische Bilder liegen in der Mitte zwischen den Teilnehmerinnen auf dem Boden.
Die Bilder gehören zu der Arbeit nach dem Zürcher Ressourcen-Modell.
Foto: KWB

Motivation durch das Zürcher Ressourcen-Modell

Konzeptionell arbeiten die Trainerinnen mit dem Ansatz des Zürcher Ressourcen-Modells (ZRM), mit dem eigene – teils unbewusste – Bedürfnisse erkundet und in Haltungsziele sowie Handlungspläne überführt werden. Die Frauen arbeiten intensiv und kreativ an ihren Zielen sowie deren Umsetzung und stärken sich dabei gegenseitig. Die Arbeit nach dem ZRM wirkt durch ihren Ansatz stark motivierend.

Eine Projektpartnerin meldete im Anschluss zurück: "Das Training fühlte sich erfrischend anders an – ohne überwältigende Zahlen, sondern stattdessen voller neuer Perspektiven, praktischer Werkzeuge und eines einzigartigen Ansatzes. Sie haben wirklich eine neue Lernkultur in unsere Arbeitsumgebung gebracht."

Trainierinnen beeindruckt

Auch für die Resilienztrainerinnen war der Workshop und der Besuch in Armenien eine besondere Erfahrung. "Wir sind berührt von den Herausforderungen und dem Mut, mit dem die Frauen ihre Zukunft gestalten", berichtet Silke Potthast. Anika Dickmann fügt hinzu:
"Und wir haben ihn noch gespürt – den Geist von Vanatur, dem Gott der Gastfreundschaft aus der vorchristlichen armenischen Mythologie: dort, wo uns herrliches Essen gereicht wurde, wo wir die Mentees in ihren Gärten und Salons besuchen durften und wo wir eine spontane Museumsführung bekamen."

Foto: Eine Hand mit Früchten aus Armenien. Foto: Eine Hand mit Früchten aus Armenien.
Früchte aus dem Garten einer Teilnehmerin, die sich mit dem Verkauf von Obst und Gemüse selbstständig machen möchte.
Foto: KWB

Hintergrund des Projekts

Das vom Auswärtigen Amt im Rahmen des Programms "Ausbau der Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft in den Ländern der Östlichen Partnerschaft und Russland" (ÖPR) 2025 geförderte Projekt "Karoghem" ist eine Kooperation zwischen der KWB Koordinierungsstelle Weiterbildung und Beschäftigung e. V., dem "Women‘s Fund Armenia (WFA)" sowie den beiden regionalen Partnerorganisationen "Sose Women’s Issues" und dem "Resource Center for Women’s Empowerment" (RCWE).

Mit dem ÖPR-Programm unterstützt die Bundesregierung seit 2014 den Auf- und Ausbau zivilgesellschaftlicher Strukturen in Armenien, Aserbaidschan, Belarus, Georgien, der Republik Moldau, der Ukraine und Russland und deren Vernetzung mit der deutschen Zivilgesellschaft. KWB ist seit 2017 dabei. In Kooperation mit mehreren Partnerorganisationen in der Ukraine, Georgien und seit Kurzem auch Armenien wurden bislang acht Projekte für Frauen erfolgreich umgesetzt.

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