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Vielfalt in der Praxis gestalten

Auch vermeintlich neutrale Personalprozesse können Barrieren schaffen. Doch woran lässt sich erkennen, ob Recruiting, Onboarding, Personalentwicklung oder Beschwerdewege tatsächlich für alle Beschäftigten funktionieren?

Der Leitfaden "Queer und (post-)migrantisch in Ausbildungs- und Arbeitswelt" des KWB-Projekts Settle*In unterstützt Unternehmen dabei, die eigenen Strukturen kritisch zu prüfen und konkrete Ansatzpunkte für Veränderungen zu finden. Eine umfangreiche Checkliste und vier Best Practices zeigen, wie Diversity im Arbeitsalltag umgesetzt werden kann und wie mögliche Herausforderungen dabei gemeistert werden können.

Settle*In unterstützt Unternehmen dabei, Vielfalt im Arbeitsalltag bewusster wahrzunehmen und ein empathisches Miteinander zu stärken. Settle*In unterstützt Unternehmen dabei, Vielfalt im Arbeitsalltag bewusster wahrzunehmen und ein empathisches Miteinander zu stärken.
Settle*In unterstützt Unternehmen dabei, Vielfalt im Arbeitsalltag bewusster wahrzunehmen und ein empathisches Miteinander zu stärken.

Neuer Leitfaden unterstützt Unternehmen bei diskriminierungssensiblen Personalprozessen

Viele Unternehmen haben sich bereits auf den Weg gemacht: Stellenausschreibungen sind inklusiv formuliert, Beschwerdewege geschaffen und das Thema Diversity im Leitbild verankert und trotzdem können Personalprozesse Menschen benachteiligen. Besonders dort, wo queere und (post-)migrantische Lebensrealitäten zusammenkommen, können Barrieren entstehen, die im Arbeitsalltag leicht übersehen werden.

Wie lassen sich solche Barrieren erkennen? Und welche Veränderungen sind im eigenen Unternehmen tatsächlich umsetzbar? Der Leitfaden "Queer und (post-)migrantisch in Ausbildungs- und Arbeitswelt" bietet Personal- und Ausbildungsverantwortlichen dafür ein praxisorientiertes Arbeitsinstrument.

Personalprozesse auf den Prüfstand stellen

Kernelement des Leitfadens ist eine Checkliste zur betrieblichen Selbstreflexion. Sie nimmt unter anderem Recruiting, Einstellungsverfahren und Personalentwicklung, interne und externe Kommunikation, Beschwerdewege sowie Unterstützungsangebote in den Blick. Die Fragen verfolgen vor allem einen konkreten Ansatz: Sind Stellenausschreibungen inklusiv gestaltet? Werden bei Auswahlverfahren auch nonformale und informelle Kompetenzen berücksichtigt? Gibt es verlässliche Ansprechpersonen bei Diskriminierungserfahrungen? Werden Beschäftigte mit ihrem gewünschten Namen und ihren gewünschten Pronomen angesprochen?

Der besondere Fokus liegt auf dem Zusammenwirken unterschiedlicher Lebensrealitäten und Diskriminierungsrisiken. Denn Benachteiligungen lassen sich nicht immer getrennt nach einzelnen Diversity-Dimensionen betrachten. Queerness, Migrations- oder Fluchtgeschichte, Geschlecht, soziale Herkunft oder familiäre Verantwortung können gleichzeitig eine Rolle spielen.

Die Checkliste unterscheidet die Entwicklungsstufen "Starterinnen", "Macherinnen“ und "Profis". Unternehmen und Institutionen können so dort ansetzen, wo sie aktuell stehen, Handlungsbedarfe identifizieren und realistische Schwerpunkte setzen. Entscheidend ist nicht, möglichst viele Punkte abzuhaken, sondern konkrete Verbesserungen für das eigene Unternehmen abzuleiten.

Vier Einblicke in die Praxis

Wie unterschiedlich dieser Weg aussehen kann, zeigen vier Best Practices aus Unternehmen und Institutionen. Sie machen erfolgreiche Maßnahmen sichtbar, aber auch die Bedingungen, unter denen Diversity-Arbeit erst funktionieren kann.

BIBB: Diversity strukturell verankern

Beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) ist Diversity Teil der strategischen Organisationsentwicklung. Das Institut verbindet strukturelle Maßnahmen mit Unterstützungsangeboten und kontinuierlicher Sensibilisierung. Dazu gehören diskriminierungssensible Personalprozesse, Netzwerke und Austauschformate ebenso wie die Zusammenarbeit von Führungskräften, Gleichstellung, Interessenvertretungen und weiteren internen Stellen.

Für Ralf Gerber, Diversitätsbeauftragter des BIBB, ist dabei entscheidend: "Vielfalt muss sichtbar und diskutierbar sein – nicht nur an Aktionstagen, sondern dauerhaft."

BIBB: Diversity strukturell verankern
Am BIBB wird Vielfalt strategisch verankert und im Arbeitsalltag sichtbar gemacht, z.B. durch das QueerNetzwerk und gemeinsame Aktionen wie das Hissen der Regenbogenflagge. Foto: Bundesinstitut für Berufsbildung
Sichtbarkeit für Vielfalt
Sichtbarkeit für Vielfalt: HAMBURG WASSER beteiligt sich an der Pride Week und setzt beim CSD gemeinsam mit Partnerunternehmen ein Zeichen für Offenheit und Respekt. Foto: Dirk Uhlenbrock

HAMBURG WASSER: Erst analysieren, dann priorisieren

Bei HAMBURG WASSER stand am Anfang keine fertige Diversity-Strategie, zunächst war eine systematische Bestandsaufnahme der Ausgangspunkt. Befragungen und Interviews mit Beschäftigten halfen dem Unternehmen zu erkennen, wo konkrete Handlungsbedarfe lagen. Daraus entstanden Schwerpunkte und Maßnahmen; Diversity-Management wurde schließlich fest in der Organisationsentwicklung verankert.

Der Ansatz zeigt zugleich, dass Unternehmen nicht alle Themen gleichzeitig bearbeiten müssen. Diversity-Manager Jan-Paul Goroncy bringt diese Erfahrung auf den Punkt: "Man kann nicht alles richtig machen und nicht alles gleichzeitig bearbeiten. Wichtig ist, dass man loslegt."

UKE: Aus Haltung wird Struktur

Am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) verbindet Dr. Sidra Khan-Gökkaya als Vorstandsbeauftragte für Migration, Integration und Antirassismus Beratung und Fortbildung mit konkreten Personal- und Organisationsprozessen. Auswahlgremien werden beispielsweise für mögliche Vorurteile sensibilisiert, Karrierewege auf Barrieren untersucht und Zuständigkeiten für den Umgang mit Diskriminierung geklärt.

Dabei spielt die intersektionale Perspektive eine zentrale Rolle. "Menschen bringen nie nur eine Zugehörigkeit oder Lebensrealität mit", betont Khan-Gökkaya. Für Organisationen bedeutet das, unterschiedliche Diskriminierungsrisiken nicht isoliert voneinander zu bearbeiten. Gerade unter hohem Arbeits- und Zeitdruck zeigt die Praxis am UKE außerdem: Formate müssen zum Arbeitsalltag passen.

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"Yes we care!": Die Kampagne des UKE macht die internationale Pflege sichtbar und zeigt, wie vielfältige Biografien, Sprachen und Erfahrungen die Versorgung im Klinikalltag prägen. Foto: Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
PFLEGEN WOHNEN beim CSD 2026
PFLEGEN & WOHNEN HAMBURG beteiligte sich mit dem Truck "Vielfalt in der Pflege" am CSD 2026 in Hamburg und macht deutlich, welche Rolle Offenheit, Respekt und Teilhabe auch im Pflegealltag spielen.
Foto: PFLEGEN & WOHNEN HAMBURG

PFLEGEN & WOHNEN HAMBURG: Diversity ist im Alltag immer präsent

Wie wichtig diese Alltagstauglichkeit ist, zeigt auch PFLEGEN & WOHNEN HAMBURG. Schichtdienst, Personalmangel und knappe Zeitressourcen erschweren es, Beschäftigte mit freiwilligen Formaten zu erreichen. Hinzu kommt, dass Veränderungsbereitschaft und Sensibilität innerhalb einer großen Organisation unterschiedlich ausgeprägt sein können. Das Diversity-Management setzt deshalb gezielt auf bestehende Strukturen – etwa Onboarding-Formate – und auf niedrigschwellige Ansprechmöglichkeiten. Beratung, Prävention, Sichtbarkeit und Beteiligung greifen dabei ineinander.

Für Jonas Yaya ist eine strukturelle Voraussetzung besonders wichtig: "Entscheidend sind klare Zuständigkeiten, Zeit und ein Budget." Diversity dürfe nicht zu einer zusätzlichen Aufgabe werden, die Einzelne ohne ausreichende Ressourcen übernehmen.

"Queer und (post-)migrantisch in Ausbildungs- und Arbeitswelt"

Leitfaden für Unternehmen

Leitfaden Leitfaden

Die vier Beispiele zeigen unterschiedliche Wege, aber gemeinsame Voraussetzungen: Diversity braucht einen realistischen Blick auf die eigenen Strukturen, klare Verantwortlichkeiten und Rückhalt durch Führung und Organisation. Maßnahmen müssen zum jeweiligen Arbeitsalltag passen und sollten regelmäßig darauf geprüft werden, ob sie tatsächlich die Menschen erreichen, für die sie gedacht sind.

Der Leitfaden unterstützt Unternehmen dabei, genau diese Fragen systematisch zu bearbeiten, jedoch nicht mit dem Anspruch auf ein perfektes Gesamtkonzept: Es geht um konkrete Ansatzpunkte für die nächsten Schritte.

Kontakt


Das Projekt "Settle*In" wird im Rahmen des Programms "Demokratie leben!" durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

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