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Resilienz ist keine Einzelleistung – innere und äußere Ressourcen stärken 

© Foto: Emma Simpson auf Unsplash

Was trägt uns, wenn das Leben herausfordernd wird? Was gibt uns Energie, Orientierung und Zuversicht – und wo finden wir diese Kraftquellen im Alltag? Diesen Fragen widmete sich der Workshop "Innere Ressourcen erkennen & stärken" für die Mentees des Expertinnen-Netz. Mentoring für Frauen. Unter der Anleitung der Resilienz-Trainerin Anika Dickmann ging es darum, persönliche Ressourcen wahrzunehmen, bislang vielleicht unbewusste Bedürfnisse zu entdecken und auf dieser Grundlage Möglichkeiten für mehr Selbstfürsorge zu entwickeln.

Resilienz im gesellschaftlichen Kontext

Resilienz ist weit mehr als eine persönliche Kompetenz. Sie entwickelt sich in einem gesellschaftlichen Kontext, der noch immer von ungleich verteilter Care-Arbeit, geschlechtsspezifischen Erwartungen und strukturellen Hürden geprägt ist.

Viele Frauen bewegen sich zwischen beruflicher Verantwortung, familiären Aufgaben, persönlicher Entwicklung und dem Anspruch, den unterschiedlichen Anforderungen in allen Lebensbereichen gerecht zu werden. Hinzu kommen Lebensübergänge wie der Berufseinstieg, die Übernahme von Führungsverantwortung, Veränderungen im Familiensystem, berufliche Neuorientierungen oder der Wiedereinstieg nach Elternzeit, Krankheiten oder Arbeitslosigkeit in den Beruf. In solchen Phasen geraten die eigenen Bedürfnisse oft in den Hintergrund.

Umso wichtiger ist es, die eigenen Ressourcen wahrzunehmen und zu stärken. Gleichzeitig macht ein feministischer Blick auf Resilienz deutlich: Es kann nicht allein die Aufgabe der Einzelnen sein, Belastungen zu bewältigen. Resilienz braucht auch unterstützende Strukturen, faire Rahmenbedingungen und Räume, in denen Frauen sich gegenseitig stärken und vernetzen können. 

Resilienz braucht sowohl innere als auch äußere Ressourcen 

Resilienz-Trainerin Anika Dickmann
Resilienz-Trainerin Anika Dickmann
© Foto: KWB

Resilienz beschreibt einen souveränen Umgang mit Belastungen, Veränderungen und Krisen. Ziel ist es, sich in schwierigen Phasen wieder zu stabilisieren und handlungsfähig zu bleiben. Dabei geht es nicht darum, jederzeit stark zu sein oder Herausforderungen einfach 'wegzustecken'.

"Ich spreche im Kontext von Resilienz ungern von einer Fähigkeit, da Resilienz keine Einzelleistung ist. Es geht nicht darum, immer stark zu sein. Resilienz entsteht im Zusammenspiel äußerer und innerer Faktoren. Es geht darum, die eigenen Bedürfnisse und Grenzen wahrzunehmen und auf vorhandene Ressourcen zurückzugreifen", erläutert Anika Dickmann.

Genau dieser Gedanke zog sich als roter Faden durch den Workshop. Denn persönliche Widerstandskraft entsteht nicht allein aus dem, was Menschen in sich tragen. Ebenso wichtig sind die Rahmenbedingungen, in denen wir leben und arbeiten. Tragfähige Beziehungen, soziale Unterstützung oder der Zugang zu professioneller Hilfe können entscheidende Ressourcen sein. Gleichzeitig zeigt sich hier auch eine gesellschaftliche Dimension von Resilienz: Nicht alle Menschen verfügen gleichermaßen über zeitliche Ressourcen, finanzielle Möglichkeiten oder einen unkomplizierten Zugang zu Unterstützungsangeboten für ihre psychische Gesundheit.

Umso wichtiger ist also der Blick auf die Ressourcen, die jede und jeder unmittelbar stärken kann: Was gibt mir Energie? Was vermittelt mir Sicherheit, Orientierung und Zuversicht? Und was brauche ich, um auch in herausfordernden Situationen handlungsfähig zu bleiben? Diesen Fragen gingen die Teilnehmerinnen im Workshop auf vielfältige Weise nach.

Mit dem Zürcher Ressourcen Modell® verborgene Bedürfnisse entdecken 

Eine zentrale Methode des Workshops war das Zürcher Ressourcen Modell®. Das von Maja Storch und Frank Krause entwickelte Selbstmanagement-Training unterstützt Menschen dabei, ihre eigenen Bedürfnisse, Motive und Ressourcen besser wahrzunehmen und daraus persönliche Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln. 

Im Workshop konnten sich die Teilnehmerinnen auf kognitiver, emotionaler und körperlicher Ebene mit sich selbst verbinden. Unter anderem arbeiteten sie mit Bildern und persönlichen Assoziationen. Dadurch konnten auch Bedürfnisse und Motive ins Bewusstsein kommen, die sich nicht unbedingt sofort in Worte fassen lassen. 

Die Methode macht deutlich: Innere Ressourcen sind nicht nur das, was wir "können". Auch innere Haltungen, persönliche Werte, Gefühle, Erfahrungen, Beziehungen und körperliche Signale können wichtige Informations- und Kraftquellen werden. Wer diese Ressourcen kennt, kann sie gezielter aktivieren und für herausfordernde Situationen nutzbar machen. 

Von der Erkenntnis zur Selbstfürsorge

Resilienz entsteht nicht allein dadurch, dass wir wissen, was uns guttut. Entscheidend ist auch, dieses Wissen im Alltag umzusetzen. Genau hier setzt Selbstfürsorge an. 

Selbstfürsorge bedeutet dabei nicht, sich gelegentlich eine Auszeit zu gönnen, sondern die eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen und sie als legitimen Bestandteil des eigenen Lebens zu verstehen. Dazu gehört beispielsweise, Grenzen zu setzen, Unterstützung anzunehmen, Pausen einzuplanen oder Entscheidungen stärker an den eigenen Werten und Bedürfnissen auszurichten. 

Eine Teilnehmerin zeigte sich überrascht davon, dass die Arbeit mit Bildern etwas Unbewusstes sichtbar machen konnte. Genau solche Aha-Momente können ein wichtiger erster Schritt sein. Denn was wir wahrnehmen und verstehen, können wir auch bewusster gestalten. 

Mentoring: Ressourcen durch Verbindung stärken 

Auch Mentoring kann ein Baustein für Resilienz sein. Denn Resilienz wächst auch durch Austausch, Beziehung und die Erfahrung, mit Herausforderungen nicht allein zu sein. 

Eine Mentorin kann Perspektiven eröffnen, Erfahrungen teilen, ermutigen und dabei helfen, die eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten klarer zu sehen. Gerade in beruflichen Übergangsphasen oder bei schwierigen Entscheidungen kann ein vertrauensvoller Austausch Orientierung geben und neue Handlungsspielräume eröffnen. 

Ein Abend, der nachwirkte 

Teilnehmerinnen des Workshops interagieren. Teilnehmerinnen des Workshops interagieren.
Eine Teilnehmerin fasste zusammen: "Man hat jetzt immer ein Werkzeug dabei."
© Foto: KWB

Der Workshop bot den Mentees Raum, sich selbst besser kennenzulernen. Die anschließenden Gesprächsrunden schufen darüber hinaus Gelegenheit, Erkenntnisse zu teilen, Erfahrungen auszutauschen und voneinander zu lernen. 

Die Rückmeldungen der Teilnehmerinnen spiegeln wider, was den Workshop ausmachte: "Toll aufgebaut, interaktiv, bereichernd" und "Ein wunderschöner Austausch".

So entstand ein Workshop voller Erkenntnisse, Verbindung und neuer Impulse. Vor allem aber ging es um eine Frage, die weit über die vier Stunden hinausreicht: Was brauche ich, damit es mir gut geht – und wie kann ich meine eigenen Ressourcen im Alltag bewusst stärken? 

Wer die eigenen Ressourcen kennt, kann Herausforderungen nicht verhindern. Aber wir können ihnen mit mehr Handlungsspielraum und Unterstützung begegnen. Und genau darin liegt eine wichtige Grundlage für Resilienz – im Beruf und im persönlichen Leben. 

Das Expertinnen-Netz. Mentoring für Frauen schafft dafür Räume: für Austausch, Reflexion, gegenseitige Unterstützung und die Entwicklung der eigenen Potenziale. 

Kontakt


Das "Expertinnen-Netz. Mentoring für Frauen" wird im Rahmen des Projekts "Fachkräfte für Hamburg" von der Behörde für Wirtschaft, Arbeit und Innovation der Freien und Hansestadt Hamburg finanziert. 

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