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Inklusion gemeinsam weiterdenken: Unternehmen entwickeln konkrete Ansätze für eine inklusive Arbeitswelt

Wie können Unternehmen in Zeiten von Fachkräftemangel, demografischem Wandel, Künstlicher Intelligenz und wirtschaftlichen Veränderungen inklusive Beschäftigung und Ausbildung erfolgreich gestalten? Mit dieser Frage beschäftigten sich Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Verwaltung, Bildungseinrichtungen und Inklusionsunternehmen bei dem „Workshop für Unternehmen: Inklusion in die Arbeitswelt – Butter bei die Fische“ am 2. Juni 2026 in Hamburg.

Foto von Dr. Oliver Borszik

Dr. Oliver Borszik moderierte die Veranstaltung.

Ziel der Veranstaltung war es, gemeinsam Lösungen zu entwickeln, die Menschen mit Behinderungen bessere Zugänge zum Arbeitsmarkt ermöglichen und gleichzeitig Unternehmen bei der Fachkräftesicherung unterstützen. Austausch auf Augenhöhe, das Lernen voneinander und die Entwicklung konkreter Ideen für eine inklusivere Arbeitswelt standen im Mittelpunkt.

Einstieg: Hamburg steht vor großen arbeitsmarktpolitischen Herausforderungen

Zum Auftakt der Veranstaltung stellte Dr. Oliver Borszik vom KWB e. V. die Ergebnisse einer Unternehmensumfrage zum Thema Inklusion sowie Erkenntnisse aus einem vorgelagerten Workshop mit Akteurinnen und Akteuren der Hamburger Inklusionslandschaft vor. Die Ergebnisse zeigten, dass viele Unternehmen einer inklusiven Beschäftigung grundsätzlich offen gegenüberstehen, sich jedoch mehr Orientierung, Informationen und praktische Unterstützung bei der Umsetzung wünschen.

Susanne Sabisch-Schellhas und Anne Zoppelt bei ihrer Einleitung.

Umfrageergebnis: Welche Gründe motivieren dazu, Inklusion zu fördern?

Anschließend ordnete Jutta Spormann von der Hamburger Wirtschaftsbehörde die Bedeutung des Themas in den aktuellen arbeitsmarktpolitischen Kontext ein. Hamburg habe in den vergangenen 15 Jahren bundesweit die meisten zusätzlichen Arbeitsplätze geschaffen. Gleichzeitig seien rund 36 Prozent der neu entstandenen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse Teilzeitstellen.

Den positiven Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt steht jedoch eine weiterhin hohe Arbeitslosigkeit gegenüber. Aktuell sind in Hamburg rund 95.000 Menschen arbeitslos, was einer Quote von 8,3 Prozent entspricht. Rund 45 Prozent der Arbeitslosen verfügen über eine Fachqualifikation, während 55 Prozent keine abgeschlossene Berufsausbildung besitzen. Auch bei Menschen mit Behinderung zeigt sich ein ähnliches Bild: Rund 4.000 Menschen mit Behinderung sind derzeit arbeitslos gemeldet.

Eine zentrale Herausforderung sei der sogenannte „Mismatch“ zwischen den Anforderungen der Unternehmen und den Qualifikationen der Bewerbenden. Gerade vor dem Hintergrund des zunehmenden Fachkräftemangels sei es notwendig, bisher ungenutzte Potenziale stärker in den Blick zu nehmen. Die Ergebnisse des Workshops sollen unter anderem in die Entwicklung einer inklusiven Hamburger Arbeitsmarktstrategie einfließen.

Ein Filmbeitrag zum Projekt „Dual & Inklusiv“ zeigte später ein erfolgreiches Beispiel inklusiver Ausbildung. Es wurde  deutlich, welche Chancen sich durch passgenaue Unterstützungsangebote für junge Menschen mit Behinderung und Unternehmen ergeben.

Screenshot aus dem Filmbeitrag

Screenshot aus dem Filmbeitrag zu inklusiver Ausbildung.

Praxisimpuls: Wenn Vielfalt zum Erfolgsfaktor wird

Einen praxisnahen Einblick in gelebte Inklusion gab Jessica Schmitt, Leitung Personal Marketing bei der Unternehmensgruppe Gregor Lehnert (UGL), die per Videokonferenz zugeschaltet war. Unter dem Titel „Wenn Vielfalt zum Erfolgsfaktor wird: Best Practices für gelebte Inklusion“ stellte sie vor, wie das Unternehmen Menschen mit Behinderung erfolgreich gewinnt, integriert und langfristig beschäftigt.

Dabei machte sie deutlich, dass Mitarbeitende heute eine der wichtigsten Ressourcen von Unternehmen darstellen. „Wir suchen immer Mitarbeitende. Sie sind ein hohes Gut und sollten nach aller Möglichkeit gehalten werden“, betonte Schmitt. Die Unternehmensgruppe erhält nach eigenen Angaben monatlich rund 800 Bewerbungen auf etwa 60 offene Stellen. Entscheidend sei jedoch nicht nur die Rekrutierung neuer Mitarbeitender, sondern vor allem die Frage, wie Menschen entsprechend ihrer Fähigkeiten dauerhaft in passende Tätigkeiten integriert werden können.

Foto des digital übertragenen Vortrags.

Jessica Schmitt, Leitung Personal Marketing bei der Unternehmensgruppe Gregor Lehnert (UGL), war per Videocall zugeschaltet.

Anhand konkreter Beispiele stellte Schmitt zentrale Erfolgsfaktoren für eine inklusive Personalgewinnung vor: leicht auffindbare Informationen auf den Karriereseiten, FAQ-Bereiche zur Klärung häufiger Fragen sowie eine sichtbar gelebte Willkommenskultur, beispielsweise durch authentische Bilder, persönliche Geschichten oder die Darstellung vielfältiger Beschäftigtengruppen. So beschäftigt die Unternehmensgruppe unter anderem rund 100 aktive Rentnerinnen und Rentner

Besonders wichtig sei es, Hürden im Bewerbungsprozess konsequent abzubauen, beispielsweise die Möglichkeit, sich unkompliziert per WhatsApp zu bewerben. Auch Stellenanzeigen sollten möglichst transparent gestaltet werden. Körperliche Anforderungen und Belastungen müssten klar benannt werden, damit Bewerberinnen und Bewerber ihre Möglichkeiten realistisch einschätzen können. Gleichzeitig ermutigt das Unternehmen Interessierte dazu, offen über ihre individuellen Voraussetzungen zu sprechen. Ziel sei es nicht, Menschen auszusortieren, sondern gemeinsam den passenden Arbeitsplatz zu finden.

Weitere Erfolgsfaktoren sind Kooperationen mit Schulen, Bildungsträgern und sozialen Einrichtungen sowie ein internes Empfehlungsprogramm, das bestehende Mitarbeitende aktiv in die Personalgewinnung einbindet.

Darüber hinaus stellte Schmitt die Bedeutung vertrauensvoller Ansprechstrukturen im Unternehmen heraus. Neben den jeweiligen Führungskräften steht den Mitarbeitenden eine neutrale Ansprechperson zur Verfügung, die bei Bedarf zwischen Mitarbeitenden und Führungskräften vermittelt und dazu beiträgt, frühzeitig Lösungen zu finden.

Gemeinsam Lösungen entwickeln: Co-Creation an vier Themeninseln

Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen anschließend vier interaktive Themeninseln. In einem offenen Peer-to-Peer-Austausch diskutierten die Teilnehmenden Herausforderungen, tauschten Erfahrungen aus und entwickelten gemeinsam neue Ansätze für eine inklusive Beschäftigung und Ausbildung.

1. Von Inklusionsunternehmen lernen

Unter der Begleitung von Anton Senner, Vorstandssprecher der Bergedorfer Impuls gemeinnützigen Stiftung, und Kai Gosslar, Vorstand der Pestalozzi-Stiftung, beschäftigten sich die Teilnehmenden mit der Frage, wie inklusive Beschäftigung und wirtschaftlicher Erfolg miteinander verbunden werden können.

Diskutiert wurden unter anderem geeignete Einsatzmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung, Strategien zur Gewinnung und Bindung von Fachkräften sowie die Erfahrungen erfolgreicher Inklusionsunternehmen.

Foto der Gruppenarbeit.

"Von Inklusionsunternehmen lernen" hieß es an der ersten Themeninsel.

Deutlich wurde, dass eine inklusive Unternehmenskultur und die konsequente Orientierung an individuellen Stärken wesentliche Erfolgsfaktoren darstellen.

2. Zugänge von Menschen mit Behinderung zu Unternehmen ausbauen

Foto von der Gruppenarbeit.

An der zweiten Themeninsel wurde beraten, wie Unternehmen Zugänge von Menschen mit Behinderung ausbauen können.

An dieser Themeninsel stand die Frage im Mittelpunkt, wie Begegnungen zwischen Unternehmen und Menschen mit Behinderung einfacher ermöglicht werden können.

Diskutiert wurden bestehende Formate wie der DUOday sowie neue Ideen für inklusive Matching-Events. Darüber hinaus tauschten sich die Teilnehmenden über Möglichkeiten aus, Recruitingprozesse inklusiver zu gestalten und Instrumente wie Jobcarving und Jobcrafting stärker zu nutzen. Ziel ist es, Arbeitsplätze flexibler an individuelle Fähigkeiten anzupassen und dadurch zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten zu schaffen.

3. Informationen und Fördermöglichkeiten besser sichtbar machen

Die dritte Themeninsel widmete sich der Idee einer zentralen Informationsplattform für Unternehmen in Hamburg.

Gemeinsam wurden Anforderungen an eine solche Plattform entwickelt. Im Fokus standen die verständliche Darstellung von Fördermöglichkeiten, Zuschüssen und Unterstützungsangeboten sowie die Aufbereitung von Best-Practice-Beispielen erfolgreicher Unternehmen. Darüber hinaus wurde diskutiert, ob FAQ-Bereiche, digitale Assistenten oder KI-gestützte Chatbots Unternehmen bei der Orientierung unterstützen könnten.

Foto von der Gruppenarbeit.

Wie lässt sich eine Informationsplattform für Unternehmen gestalten, war die Frage an der dritten Themeninsel.

Ein weiterer Wunsch der Teilnehmenden war die stärkere Vernetzung mit relevanten Akteurinnen und Akteuren der Inklusionslandschaft, die Unternehmen bei Sensibilisierung, Beratung und Begleitung unterstützen können.

4. Betriebliche Ausbildung stärken

Foto von der Gruppenarbeit.

Die vierte Themeninsel setzte sich mit den Möglichkeiten der betrieblichen Ausbildung von Menschen mit Behinderung auseinander.

Die vierte Themeninsel beschäftigte sich mit der Frage, wie mehr junge Menschen mit Behinderung erfolgreich eine Ausbildung in Unternehmen absolvieren können.

Diskutiert wurden unterschiedliche Ausbildungsmodelle wie Teilqualifizierungen, Teilzeitausbildungen und Fachpraktiker-Ausbildungen. Darüber hinaus tauschten sich die Teilnehmenden über Unterstützungsangebote in Berufsschulen und Betrieben aus. Mentoringprogramme, Assistenzleistungen und eine enge Begleitung während der Ausbildung wurden dabei als wichtige Erfolgsfaktoren hervorgehoben.

Abschluss und Ausblick:
Viele gute Ansätze – jetzt kommt es auf die Umsetzung an

Nach einer gemeinsamen Pause präsentierten die Arbeitsgruppen ihre Ergebnisse im Plenum. Dabei zeigte sich, dass viele Herausforderungen bereits bekannt sind und zahlreiche praktikable Lösungsansätze existieren.

Besonders deutlich wurde der Bedarf nach besserer Vernetzung, mehr Transparenz über bestehende Unterstützungsangebote sowie niedrigschwelligen Zugängen für Unternehmen und Beschäftigte. Gleichzeitig wurde sichtbar, dass viele erfolgreiche Praxisbeispiele bereits heute existieren, jedoch noch stärker bekannt gemacht werden müssen.

Die Diskussionen machten deutlich, dass inklusive Beschäftigung nicht allein eine soziale Verantwortung darstellt, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur Fach- und Arbeitskräftesicherung leisten kann. Unternehmen, die Vielfalt aktiv fördern, erschließen zusätzliche Potenziale und stärken ihre Zukunftsfähigkeit.

Foto von den Snacks.

In der Snack-Pause vernetzten sich die Teilnehmenden untereinander.

Dass die Gestaltung einer inklusiven Arbeitswelt nur gemeinsam gelingen kann, war allen Teilnehmenden klar. Der Workshop bot Raum für neue Perspektiven, praxisnahe Lösungsansätze und den Aufbau neuer Kooperationen zwischen Wirtschaft, Verwaltung und Inklusionsakteuren.

Die erarbeiteten Ideen und Ergebnisse bilden eine wichtige Grundlage für die weitere strategische Entwicklung inklusiver Beschäftigung und Ausbildung in Hamburg. Gleichzeitig zeigte die Veranstaltung, dass bereits heute viele engagierte Unternehmen und Institutionen erfolgreich vorangehen – und damit wertvolle Impulse für eine Arbeitswelt liefern, in der Vielfalt als Stärke verstanden und gelebt wird.

Gemeinsam die Zukunft inklusiver Arbeit gestalten!